AUFGABEN         

Die Gewerkschaften vereinbarten Betriebskollektivverträge mit den Betrieben. Desweiteren erarbeiteten sie Tarifverträge mit den Industrie- und Handelskammern bzw. den Handwerkskammern.

Darüber hinaus waren die Gewerkschaften für die Einhaltung und Verbesserung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes verantwortlich. Sie sorgten für die medizinische Versorgung der Arbeitnehmer und ihrer Familien.

 

Außerdem waren sie für die Sozialversicherung zuständig. Die Gewerkschaften regelten die Auszahlungen bei Rente, Invalidität oder zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit.

Auch die Nahrungsversorgung der Arbeitnehmer durch Werkküchen und Betriebsgaststätten fiel in das Ressort des FDGB.

Die Gewerkschaften sollten die Verbindung zwischen den Arbeitern und den Leitungsstellen sein. Allerdings hatte der FDGB nur geringe Einflußmöglichkeiten, wenn er Beschwerden der Arbeiter entgegennahm. Zahlreich kritisiert wurden die sanitären Einrichtungen und das Kantinenessen.

Die Gewerkschaften bildeten darüber hinaus das Bindeglied zwischen den Schulen und den Betrieben. Auf diese Weise sollte den Kindern ein guter Start in den Beruf ermöglicht werden.

Ein weiteres Aufgabengebiet des FDGB war die weltanschauliche Einflußnahme auf den Bürger. Ziel war es, ihn zum Denken und Handeln im sozialistischen Sinne zu erziehen.

Kulturhaus ''Bertolt Brecht''

Die Gewerkschaften unterhielten Klubhäuser, Kulturhäuser sowie Bibliotheken. Diese sollten dem Bürger eine erfüllte Freizeitbeschäftigung ermöglichen, stets in der Absicht, ihn zur Unterstützung des sozialistischen Systems zu gewinnen.

Außerdem richteten sie die Arbeiterfestspiele aus.

Diese wurden seit 1959 jährlich gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und dem Nationalrat der Nationalen Front veranstaltet. Sie wurden stets in einer anderen Stadt begangen und seit 1970 von Veranstaltungen in den Betrieben ergänzt.

gemäß der Idee vom allseitig gebildeten Menschen: ''Werktätige'' in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) beim Zeichnen

Während der Arbeiterfestspiele traten Berufs- und Laienkünstler aus dem In- und sozialistischen Ausland u.a. in den Bereichen Musik, Tanz und Theater auf. Ziel war es, den Bürger mit sozialistischer Kunst zu eigenem künstlerischem Schaffen und zu einer sozialistischen Gesinnung zu bewegen. Ansporn zu eigener Kreativität waren die Volkskunstausscheide. Der FDGB vergab zudem Preise, zum einen für künstlerisches Volksschaffen und zum anderen den Kunstpreis des FDGB.1

Aber auch im Berufsalltag wurden häufig Preise vergeben. Um den Arbeitnehmer zu guten Leistungen im Beruf zu animieren, wurden an Feiertagen, z.B. am Kampftag der Arbeiterklasse (1.5.), und an Ehrentagen, z.B. am Tag des Eisenbahners, Geldprämien, Belobigungen, z.B. “Kollektiv der sozialistischen Arbeit”, und Urlaubsplätze an Kollektive oder auch einzelne Personen vergeben.

Der Feriendienst, die Touristik sowie die Feierabend- und Wochenenderholung fielen außerdem in das Tätigkeitsfeld der Gewerkschaften.

Kühlungsborn, Kreis Bad Doberan: Postkartenmotiv (Fotograf: Michael)Die vom FDGB vergebenen Urlaubsplätze waren sehr begehrt. Es gab kaum privat betriebene Hotels oder Pensionen. Beispielsweise 1972 stellten 6 FDGB-Heime 80 Prozent ihrer Kapazitäten, d.h. jährlich rund 85.000 Betten, nur FDGB-Mitgliedern zur Verfügung. Somit war man auf die raren vom FDGB-Feriendienst verteilten Urlaubsplätze angewiesen. Entweder bekam man für sich und seine Familie eine Unterbringung in einem FDGB -Ferienheim, oder aber man mußte in einem der rund 72.500 betriebseigenen Heime gemeinsam mit den Kollegen den Urlaub verbringen. Die einzige Möglichkeit, ohne den FDGB in Urlaub zu fahren, bestand darin, bei Privatleuten gegen eine vereinbarte Geldsumme unterzukommen.

Urlaubsgebiete waren vor allem die Ostsee, desweiteren der Thüringer Wald, der Harz und die Mecklenburger Seenplatte.2 Die einzigen Meeresstrände auf dem Staatsgebiet der DDR waren die Strände der Ostsee.

Auslandsreisen - beispielsweise mit der Fluggesellschaft “Interflug” - waren im Allgemeinen nur innerhalb der sozialistischen Länder möglich.

 

FERIENLAGER

Von den Betrieben wurden vielfach sogenannte Ferienlager unterhalten. Kinder von Betriebsangehörigen konnten in ein solches Lager fahren und zusammen mit vielen anderen Jugendlichen in Bungalows einige Wochen ihrer Ferien verbringen. Man reiste mit Bus oder Bahn an, freute sich auf neue Bekanntschaften und viele interessante Freizeitaktivitäten.
So ging man wandern, baden, besuchte Museen, veranstaltete Bastelnachmittage, nahm an Sportwettkämpfen teil, ging abends in die Disco und erlebte nicht selten die erste Liebe...

Brief aus einem Ferienlager, Mitte der 1980er Jahre:

 

VERWALTUNGSSTRUKTUR

Der erste Kongreß des FDGB fand vom 9.-11.2.1946 statt.

Auf dem FDGB-Kongreß, der durchschnittlich alle 4 Jahre abgehalten wurde, ist der Bundesvorstand gewählt worden. Dieser hatte den FDGB bis zum nächsten Kongreß zu leiten.

Seitens der im FDGB zusammengeschlossenen Industriegewerkschaften und Gewerkschaften fand ebenfalls alle 4 Jahre die Zentraldelegiertenkonferenz statt. Auf der Konferenz wurde der Zentralvorstand gewählt.

Auf Bezirks- und Kreisebene wurden alle 2 Jahre auf den Bezirks- und Kreisdelegiertenkonferenzen die Bezirks- und Kreisvorstände gewählt.

 

FDGB-Ausweis, ausgestellt am 1.1.1946

 

“Nachweis über Beitragszahlungen und den Erwerb von Solidaritätsmarken”:


Jede Spalte enthält die Monatsmarken eines Jahres. Die Marken sind mit dem FDGB-Stempel und dem Stempel “entwertet” versehen.

Die Rückseite (“Kontrollkarte des Gewerkschaftsmitgliedes”) enthielt persönliche Daten. Dazu zählten u.a. Name, Geburtsort, Geburtstag, Familienstand, Anzahl der Kinder, Wohnanschrift, Eintritt vor 1933 in eine anerkannte Gewerkschaft, Eintritt nach 1945 in den FDGB, Eintragungen des Vertrauensmannes über An- und Abmeldungen und Unterschriften der AGL bzw. BGL, OGL .

 

 

 

PUBLIKATIONEN DES FDGB

Seitens des Bundesvorstands erschien die Tageszeitung “Tribüne”.

Außerdem gab es die Monatszeitschriften “Die Arbeit”, “Kulturelles Leben”, “Sozialversicherung – Arbeitsschutz” und die “FDGB-Rundschau”.4

 

Fußnoten:

1Artikel: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, in: Meyers Neues Lexikon Bd. 5, 2., völlig neu erarb. Aufl., Leipzig, 1973, S. 133f.
2Wolle, Stefan, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Bonn, 1998, S. 112f.
3Artikel: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, in: Meyers Neues Lexikon Bd. 5, 2., völlig neu erarb. Aufl., Leipzig, 1973, S. 133f. (Die Angabe für das Jahr 1987 ist folgendem Buch entnommen: Wolle, Stefan, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Bonn, 1998, S. 112.)
4Artikel: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, in: Meyers Neues Lexikon Bd. 5, 2., völlig neu erarb. Aufl., Leipzig, 1973, S. 133f.

 

 

Gewerkschaften

Gesundheitswesen

Handel-Nahrung-Genuß

Kunst

Land-Nahrungsgüter-Forst

Mitarbeiter der Staatsorgane
und der Kommunalwirtschaft

Wissenschaft

Industriegewerkschaften

IG Bauholz

IG Bergbau-Energie

IG Chemie

IG Druck und Papier

IG Metall

IG Transport- und Nachrichtenwesen

IG Wismut

Mitglieder des FDGB3

Jahr

Anzahl in Millionen

1946

1,8

1947

3,3

1950

5,0

1955

5,4

1959

6,1

1963

6,4

1968

6,8

1970

7,1

1972

7,3

1987

9,5

Urkunde  für 25jährige Mitgliedschaft im FDGB (aus dem Jahr 1984);
wurde zusammen mit einem Abzeichen überreicht

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